Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V.
begründet 1700 als Brandenburgische Sozietät der Wissenschaften
  • Über uns
    • Satzung
    • Finanzierung
    • Logo
    • Mitglieder
    • Ehrenmitglieder
    • Geschichte
    • Dokumente zur Geschichte der Sozietät
  • Sozietät
    • Organisation
    • Klassen
    • Arbeitskreise
      • Allgemeine Technologie
      • Emergente Systeme
      • Energie, Mensch und Zivilisation
      • Europa
      • Geo-, Montan-, Umwelt-, Weltraum-, Astrowissenschaften
      • Gesellschaftsanalyse und Klassen
      • Mentale Repräsentationen
      • Pädagogik
      • Vormärz und 48er Revolutionsforschung
      • Wissenschaftsgeschichte
      • Prinzip Einfachheit (inaktiv)
      • Toleranz (inaktiv)
      • Zeit und Evolution (inaktiv)
      • Kommission für Akademie- und Wissenschaftsgeschichte (inaktiv)
    • Projekte
    • Diskussionen
    • Wissenschaftlicher Beirat
    • Auszeichnungen
  • Veranstaltungen
    • Veranstaltungsplan
    • Plenum
    • Klassen
    • Leibniz-Tag
    • Konferenzen
    • Arbeitskreise
  • Publikationen
    • Sitzungsberichte
    • Abhandlungen
    • Leibniz Online
    • Leibniz Intern
    • SYMPOSIUM CULTURE@KULTUR (Zeitschrift)
    • Einzelpublikationen
    • Debatten
    • Kooperation mit dem Leibniz Gymnasium Berlin
    • Hinweise für Autoren
  • Stiftung der Freunde
    • Satzung der Stiftung
    • Kuratorium
    • Adressen
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • Impressum
RSS
9. August 2026

Bericht zum Kolloquium „Die Wiedereröffnung der Akademie der Wissenschaften zu Berlin im Sommer 1946 – acht Jahrzehnte Wissenschafts- und Standort-Geschichte Berlin-Adlershof“ am 6. August 2026

Hans-Christoph Hobohm Konferenzen, Veranstaltungen Langhoff.N, Methling.W, Pfaff.G, Vogt.A, Wöltge.H

Prof. Dr. Norbert Langhoff (MLS) bei seinem Eröffnungsvortrag (Foto: Gert Kommichau)

Am 6. August 2026 fand das Kolloquium „Die Wiedereröffnung der Akademie der Wissenschaften zu Berlin im Sommer 1946 – acht Jahrzehnte Wissenschafts- und Standort-Geschichte Berlin-Adlershof“ im Steinbeis-Haus in Berlin-Adlershof statt. Das Kolloquium wurde gemeinsam von der WISTA Management GmbH, der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V, dem Forum Adlershof e.V. und dem Kollegium Wissenschaft der Rosa-Luxemburg-Stiftung veranstaltet.

Vor 80 Jahren, im Sommer 1946, wurde die Preußische Akademie der Wissenschaften als Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin (DAW) nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wiedereröffnet. Aus dieser Wiedereröffnung, die mit dem Befehl Nr. 187 der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) erfolgte, ging später die Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW) hervor, deren Institute den Wissenschaftsstandort Adlershof über Jahrzehnte entscheidend mitprägten.

60 Wissenschaftshistoriker, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung und Standort­entwicklung referierten und diskutierten die Rolle der DAW und der AdW beim Aufbau der ostdeutschen Forschungslandschaft. Dabei wurden die wissenschaftlichen Leistungen und die nachhaltigen Spuren, die in Adlershof hinterlassen wurden, ausführlich bewertet und gewürdigt. Sowohl die Entwicklung der Forschungsakademie als institutionelles Modell als auch die Transformation wissenschaftlicher Strukturen nach 1990 standen im Brennpunkt des Interesses. Die Anregung für die Veranstaltung ging von Dr. sc. Klaus Meier aus. Die Moderation der Vorträge wurde von Dr. Wolfgang Girnus übernommen.

Prof. Dr. Norbert Langhoff (MLS), der Mitorganisator des Kolloquiums, verwies in seinen Ausführungen auf persönlichen Erfahrungen aus über sieben Jahrzehnten Standortgeschichte. WISTA-Geschäftsführer Roland Sillmann betonte in seinem Vortrag, der den Bogen von der Geschichte zur Gegenwart des Standorts schlug, dass Adlershof seine heutige Stärke als international erfolgreicher Wissenschafts- und Technologiepark auch einer ausgeprägten Transformationsfähigkeit verdanke, die den Standort seit Jahrzehnten prägt und die auf die zu Zeiten der DAW und der AdW erfolgten Entwicklungen in besonderer Weise aufbauen kann. Die WISTA Management GmbH gestaltet heute die Rahmenbedingungen für den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, fördert Technologietransfer und unterstützt die Entstehung von neuen Kooperationen, Unternehmen und Innovationen am Standort.

Ort der Tagung: Steinbeis Haus in Adlershof (Foto: Gert Kommichau)

Folgende Vorträge wurden gehalten und standen zur Diskussion:

Session I

Das Modell „Forschungsakademie“ braucht Institute – vom bescheidenen Startschuss für Adlershof mit der „Kulturverordnung der Deutschen Wirtschaftskommission vom 31. März 1949“ zum größten Forschungsstandort der DDR

  • Dr. Norbert Langhoff (MLS): Persönliche Reminiszenzen aus über sieben Jahrzehnten Standortgeschichte
  • sc. Klaus Meier: Die Akademie der Wissenschaften zu Berlin (ab 1972 AdW der DDR) und das Institut für Theorie, Geschichte und Organisation der Wissenschaft
  • Peter Strunk: Zur Geschichte des Standortes Adlershof in der Zeit von 1945 bis Mitte der 1950er Jahre – Wissenschaft, Volkspolizei, Wachregiment und DFF
  • Dr. Annette Vogt (MLS): Wissenschaftlerinnen der Akademie von 1946 bis 1991

Session II

Wissenschaftliche Exzellenzen Ostdeutschlands – Traditionslinien – Brüche – Resilienzen

  • Wolfgang Girnus: Betrachtungen eines Wissenschaftshistorikers zum Forschungsfeld Akademie
  • Roland Sillmann: Adlershof – transformationserfahrener Zukunftsstandort
  • Herbert Wöltge (MLS): Prof. Horst Klinkmann – die Abwicklung der AdW 1990/91 – Zwänge und Folgen für die Wissenschaftskultur
  • Dr. Gerhard Pfaff (MLS): Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. – eine Gelehrtengesellschaft im Wandel
  • Dr. Wolfgang Methling (MLS): Die Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR – zum Umgang mit DDR-Wissenschaft nach der Wende
Blick in den Tagungsraum im Steinbeis-Haus in Berlin-Adlershof (Foto: Gert Kommichau)

Wie eng die Entwicklung des heutigen Wissenschafts- und Technologieparks mit der Geschichte der Akademie verbunden ist, wurde in den Vorträgen und Diskussionen deutlich. Viele Kompetenzen, Netzwerke und Forschungstraditionen, die Adlershof heute als einen der führenden Wissenschafts-, Technologie- und Medienstandorte Europas auszeichnen, haben ihre Wurzeln in den Instituten der DAW und der AdW. Die Veranstaltung bot demzufolge neben einem Rückblick auf die Wissenschaftsgeschichte Berlins auch eine Vorausschau in die Zukunft. Sie bestätigte, dass Innovation dort entsteht, wo Wissen bewahrt und kontinuierlich weiterentwickelt wird.

Die WISTA Management GmbH, die 1994 in Adlershof ihre Tätigkeit aufnahm, gestaltet heute die Rahmenbedingungen für den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Sie fördert den Technologietransfer und unterstützt die Entstehung neuer Kooperationen, Unternehmen und Innovationen am Standort. Damit knüpft sie als Betreiberin des Technologieparks Adlershof an die Traditionen der vergangenen Jahrzehnte an.

Die Organisatoren danken der WISTA Management GmbH für die Unterstützung bei der Durchführung des Kolloquiums, für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und die Pausenversorgung.

Gerhard Pfaff

9. August 2026

Neue Publikation unseres Mitglieds Klaus Dethloff

Hans-Christoph Hobohm Mitteilungen

Dethloff, Klaus: Klimahybris. Zwischen Realität und Simulation. Berlin, Heidelberg: Springer, 2026. – Electronic ISBN 978-3-662-73324-0; Print ISBN 978-3-662-73323-3; DOI https://doi.org/10.1007/978-3-662-73324-0

Menschliche Selbstüberschätzung zeigt sich im anhaltenden Glauben an unbegrenztes Wachstum und in der Verdrängung der Folgen menschlicher Eingriffe in das Klimasystem. Selbst bei globalen Nullemissionen lassen Erdsystemmodelle weitere Klimaveränderungen erwarten, da CO₂ im komplexen Zusammenspiel von Atmosphäre, Ozeanen und Land nur langsam abgebaut wird. Gleichzeitig bleiben zentrale Prozesse – etwa bei atmosphärischen Telekonnektionsmustern und in der Ozeanzirkulation – mit Unsicherheiten behaftet.

Wachstums- und Konsumorientierung erschweren die Entwicklung nachhaltiger Lebensweisen, während geopolitische Konflikte Klimafragen zunehmend in den Hintergrund drängen. Der Übergang zu nichtfossiler Energie ist im Gange, bringt jedoch erhebliche soziale Spannungen mit sich. Ohne mehr Verteilungsgerechtigkeit und die globale Ausrichtung auf einen ökologischen Umbau droht dieser Wandel zu scheitern.

Dieses Buch stellt verbreitete Narrative zur Klimakrise kritisch zur Diskussion und macht ihre wissenschaftliche, gesellschaftliche und politische Komplexität sichtbar. Es zeigt, dass die Krise aus dem alltäglichen Handeln von Milliarden Menschen entsteht – und dass tragfähige Lösungen tiefgreifende ökonomische Veränderungen erfordern. Zugleich wird deutlich: Dauerhafte politische Rivalität steht im Widerspruch zu den globalen Herausforderungen unserer Zeit. Nur durch Kooperation und ein neues Verständnis von Verantwortung lässt sich eine lebenswerte Zukunft sichern.

9. August 2026

Neue Publikation unseres Mitglieds Werner Naumann

Hans-Christoph Hobohm Mitglieder, Publikationen Naumann.W

Naumann, Werner: Allgemeine Erziehungswissenschaft – ein transdisziplinäres Konzept als theoretische Grundlage für pädagogische Handlungswissenschaften. Berlin: Logos, 2026.- ISBN 978-3-8325-6101-7. – 130 Seiten, 28.00 €
https://doi.org/10.30819/6101, PDF – OpenAccess

Werner Naumann schreibt im Vorwort zu seinem Alterswerk: Die vorliegende Schrift „ist ein Versuch, in möglichst kurzer Form das zu übermitteln, was der Autor für die Belange der Lehrer- und Erzieherausbildung für brauchbar hält.“ Sie sei gegründet auf eine Konzeption, die sein Hochschullehrer Herbert Schaller entwickelt und vertreten hat. Außerdem habe Naumann die freigewordene Zeit nach dem Ende seiner Tätigkeit in der Sozialakademie Mecklenburg-Vorpommern e. V. im Jahre 2002 dazu genutzt, aktuelle pädagogische Literatur aus der Bundesrepublik, Schweiz und Österreich zu lesen, um „seinen Überblick über den Entwicklungsstand der Erziehungswissenschaften zu erweitern“. Und er habe „die Diskussionen in der Leibnitz-Sozietät der Wissenschaften zum Prinzip der Einfachheit und vor allem zum Prinzip der Transdisziplinarität“ in seiner Publikation angewendet, „zumal es bisher in den Erziehungswissenschaften wenig beachtet worden ist“.

Das Ergebnis dieser wissenschaftlichen Bilanz seines Arbeitslebens liegt nun in 128 Seiten gedruckt im Logos Verlag Berlin vor, der in seiner Verlagsankündigung außer auf die Druckausgabe darauf hinweist, dass das Buch als Open-Access-Datei vorliegt und von jedem Interessierten kostenfrei als pdf-Datei gelesen werden kann. Der Link zur Verlagsankündigung ist hier.

Nach einer knappen Skizze der Problemlage führt ein Kapitel in den Gegenstand der Erziehungswissenschaft und den Erzieherbegriff ein, dabei ergänzt er den Erziehungsbegriff seines Lehrers Schaller. Erziehung ziele auf Persönlichkeitsentwicklung durch „Selbstveränderung des Menschen in der Tätigkeit“ (S. 8-9). Danach folgen Kapitel über Gesellschaft und Erziehung, zu den Strukturelementen der Erziehung, den Erziehungsprozessen und ihrer Dynamik, zu pädagogischen Prinzipien und deren Grenzen, sowie ein ausführliches Literaturverzeichnis.

SMAD-187
31. Juli 2026

Kolloquium zum 80. Jahrestag der Wiedereröffnung der Akademie der Wissenschaften

Hans-Christoph Hobohm Veranstaltungen Langhoff.N, Linke.D, Methling.W, Pfaff.G, Vogt.A, Wöltge.H

Der Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Adlershof (WISTA), die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V., das Forum Adlershof e.V. und das Kollegium Wissenschaft der Rosa-Luxemburg-Stiftung

laden ein zum Kolloquium

Ein historisches Datum mit Folgen: Die Wiedereröffnung der Akademie der Wissenschaften zu Berlin im Sommer 1946 – acht Jahrzehnte Wissenschafts- und Standortgeschichte Berlin-Adlershof

am Donnerstag, 6. August 2026

von 10.00 bis 15.00 Uhr

im Steinbeis-Haus Berlin-Adlershof

Rudower Chaussee 28
12489 Berlin

Programm:

10.00 Uhr: Prof. Norbert Langhoff (MLS) – Begrüßung und persönliche Reminiszenzen aus über sieben Jahrzehnten Standortgeschichte

Session I

Das Modell „Forschungsakademie“ braucht Institute – vom bescheidenen Startschuss für Adlershof mit der „Kulturverordnung der Deutschen Wirtschaftskommission vom  31. März 1949“ zum größten Forschungsstandort der DDR

  • Dr. sc. Klaus Meier: Die Akademie der Wissenschaften zu Berlin (ab 1972 AdW der DDR) und das Institut für Theorie, Geschichte und Organisation der Wissenschaft
  • Dr. Peter Strunk: Zur Geschichte des Standortes Adlershof in der Zeit von 1945 bis Mitte der 1950er Jahre – Wissenschaft, Volkspolizei, Wachregiment und DFF
  • Prof. Dr. Annette Vogt (MLS): Wissenschaftlerinnen der Akademie von 1946 bis 1991
  • Dr. Wolfgang Girnus: Betrachtungen eines Wissenschaftshistorikers zum Forschungsfeld Akademie

Nachmittagsrunde ab 13.15 Uhr

Eröffnung: WISTA-CEO Roland Sillmann: Adlershof – transformationserfahrener Zukunftsstandort

Session II

Wissenschaftliche Exzellenzen Ostdeutschlands – Traditionslinien – Brüche – Resilienzen

  • Prof. Dr. Dietmar Linke (MLS): Das Zentralinstitut für Anorganische Chemie (1971-1990), ein Beispiel für das Modell einer Forschungsakademie
  • Dr. Herbert Wöltge (MLS): Prof. Horst Klinkmann – die Abwicklung der AdW 1990/91 – Zwänge und Folgen für die Wissenschaftskultur
  • Prof. Dr. Gerhard Pfaff (MLS): Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. – eine Gelehrtengesellschaft im Wandel
  • Prof. Dr. Wolfgang Methling (MLS): Die Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR – zum Umgang mit DDR-Wissenschaft nach der Wende

Diskussionsrunde zu den Beiträgen der Sessions I und II und zum Thema des Tages

Moderation Dr. Peter Strunk

Im Anschluss Smalltalk und Büchertisch.

Dr. Gerald Diesener, Leiter des Universitätsverlages Leipzig, wird mit einem Bücherstand mit ausgewählten Publikationen zur Wissenschaftsgeschichte vertreten sein (u.a. Ingolf Volker Hertel „Blühende Landschaften“; Peter Strunk „Adlershofer Geschichten“; Norbert Langhoff/Klaus Meier „Leucht-Türme. Adlershofer Hightech-Firmen und ihre Geschichte“)

Gäste sind herzlich willkommen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Organisation und Einladung: Prof. Dr. Norbert Langhoff, Dr. sc. Klaus Meier, Prof. Dr. Gerhard Pfaff

 

27. Juli 2026

Neue Publikation unserer Präsidentin Gerda Haßler

Hans-Christoph Hobohm Mitglieder, Publikationen Haßler.G

Gerda Haßler: Evidentiality in Romance Languages. Berlin, Bruxelles, etc.: Peter Lang, 2026. – (Linguistica Philologica; 3) – 462 S., ISBN (PDF) 9783631921890; ISBN (ePUB) 9783631921906; ISBN (Hardcover) 9783631778388; DOI: 10.3726/b23560. – 79,95 EUR

Evidentialität im Spanischen, Französischen, Italienischen und Portugiesischen

Alle Sprachen verfügen über Mittel, um das epistemische Bewusstsein darüber auszudrücken, wie der Inhalt einer Botschaft zustande gekommen ist. In den romanischen Sprachen und den meisten anderen europäischen Sprachen ist diese Information jedoch nicht obligatorisch. Franz Boas (1942: 182) stellte bereits fest, dass wir Zeitungen mit weitaus mehr Vertrauen lesen würden, wenn Journalisten angeben müssten, ob sie den Inhalt ihrer Berichte aus eigener Erfahrung, aus Hörensagen oder durch eigene Schlussfolgerungen gewonnen haben. Wir nehmen diese semantische Lücke in unseren Sprachen zwar nicht wahr, können sie aber jederzeit schließen, indem wir explizite Aussagen über die Herkunft unseres Wissens machen. Dies tun wir nicht, um die Herkunft unseres Wissens aus einer bestimmten Quelle genau zu dokumentieren, sondern um die Verantwortung für den kommunizierten Inhalt zu verringern.

Markierungen der Herkunft des Sprecherwissens wurden in den letzten dreißig Jahren in zahlreichen Arbeiten untersucht. Noch immer gibt es aber keine Einigkeit darüber, welche Mittel zu den Markern der Evidentialität gehören und welche Forschungsperspektive am ehesten Erfolg bei ihrer Untersuchung und Klassifizierung verspricht. In dem Buch wird eine vergleichende funktionale Perspektive eingenommen, die sowohl lexikalische (Adverbien, Adjektive, Verben) als auch grammatische Mittel (Futur, Konditional, Imperfekt) berücksichtigt, die zur Markierung der Herkunft des Sprecherwissens verwendet werden. Evidentialität wird dabei als Information betrachtet, die nicht Bestandteil der Prädikation ist, aber angibt, ob der mitgeteilte Inhalt aus eigener Anschauung, fremder Mitteilung oder Schlussfolgerung stammt. In der Kommunikation wird vielfach nicht zwischen diesen verschiedenen Quellen unterschieden, sondern lediglich eine allgemeine evidentiell-epistemische Markierung vorgenommen.

Ein Vergleich der vier romanischen Sprachen Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch mit dem Deutschen und weiteren Sprachen verdeutlicht Unterschiede in der Grammatikalisierung einzelner evidentieller Ausdrucksmittel und in den Präferenzen ihrer Verwendung. Es wird nachgewiesen, dass der Evidentialitätsbegriff Erklärungspotential für Sprachen ohne obligatorische Evidentials hat.

Auf den Webseiten des Verlags findet man neben dem Abstract unter „Excerpt“ weitere Informationen über das Buch, wie z.B. das Inhaltsverzeichnis und eine Leseprobe.

16. Juli 2026

Andreas Arndt: „Geschichte und Freiheitsbewusstsein“ (2015) nun auch auf Chinesisch

Hans-Christoph Hobohm Mitglieder, Publikationen Arndt.A

Das bekannte Buch unseres Mitglieds Prof. Dr. Andreas Arndt ist – nach einer Übersetzung ins Koreanische (Seoul: editus, 2021 – ISBN 979-11-91535-02-0) – nun auch auf Chinesisch erschienen: übersetzt von Li Jingxin und Hong.  Peking: Shangwu, 2026 (Reihe: Marxistische Philosophie und moderne Zivilisation) – ISBN 978-7-100-25855-5.

Wir wünschen ihm auch dort viele Leserinnen und Leser.

Das Original ist:

Arndt, Andreas: Geschichte und Freiheitsbewusstsein : zur Dialektik der Freiheit bei Hegel und Marx. Eule der Minerva-Verl., 2015. 167 S.; 978-3-943334-05-0 kart. : EUR 15.00 (DE)

Inhalt:

Zuvor 10
1. Welche Freiheit? 17
2. Bewusstsein und Realisierung von Freiheit 26
3. Nach Hegel: Entfremdungs- statt Freiheitsgeschichte 38
4. Exkurs: Phänomenologie des Geistes und Weltgeschichte 52
5. Verwirklichung der Philosophie und Realisierung der Freiheit 60
6. Bürgerliche Gesellschaft und Staat (Hegel) 77
7. Reich der Notwendigkeit und Reich der Freiheit (Marx) 93
8. Recht und Freiheit bei Marx 104
9. Exkurs: Zum Problem der Menschenrechte bei Marx 119
10. Marx und die Hegel’sche Dialektik 124
11. Das vollendete Bewusstsein der Freiheit: Die absolute Idee….134
Coda 148
Siglen 156
Literaturverzeichnis 157
Personenregister 166

16. Juli 2026

Neue Publikation unseres Mitglieds Viktor Jakupec

Hans-Christoph Hobohm Mitglieder, Publikationen Jakupec.V

Eine neue Publikation von Viktor Jakupec ist in deutscher Sprache (als KI-Übersetzung!) im Springer-Verlag erschienen.

Viktor Jakupec: „Das strategische Dilemma der EU im Ukrainekrieg – Sanktionen, Militärhilfe und der Kampf um Kohärenz in der Außenpolitik“. Cham : Springer Nature Switzerland Imprint: Springer VS , 2026. 135 S.; ISBN 978-3-032-22153-7 (Softcover, 54,99 €); ISBN 978-3-032-22154-4 (eBook, 42,99 €).

Originalversion:
Viktor Jakupec: The EU’s Strategic Dilemma in the Ukraine War: Sanctions, Military Aid, and the Struggle for Coherence in Foreign Policy. Springer Cham, 2025. (SpringerBriefs in International Relations). iv, 129 S. – ISBN: 978-3-032-01594-5 (vgl. die Meldung auf dieser Website vom 17. Juni 2025)

Aufbauend auf seinen beiden vorangegangenen und auch in deutscher Sprache vorliegenden Monografien, „Die Reaktion des Westens auf den Ukraine-Krieg – Militärische Herausforderungen, NATO-Probleme und die Neuordnung der globalen Politik (2025) und „Dynamik des Russisch-Ukrainischen Kriegs“ (2024) untersucht Viktor Jakupec (MLS) in seinem jüngsten Werk die Schnittstelle von militärischer Konfrontation und geopolitischer Transformation.  Der Autor belegt mittels einer kritischen, evidenzbasierten Analyse, dass der Krieg in der Ukraine keine stärkere EU geschmiedet hat. Vielmehr hat sich gezeigt, wie weit die Union von einer notwendigen strategischen Reife entfernt ist. Der Autor hinterfragt vorherrschende Narrative und zeichnet die fragmentierten und oft widersprüchlichen Muster westlicher und insbesondere europäischer politischer Reaktionen nach. Überaus treffend analysiert Jakupec die innenpolitischen Dilemmata der EU angesichts globaler Machtverschiebungen anhand von drei kritischen Dimensionen: Wirtschaftssanktionen, Militärhilfe und außenpolitische Kohärenz.

Das Werk gliedert sich neben der Einleitung in sechs Kapitel:

  1. Das Paradox der Sanktionen und das strategische Dilemma der EU
  2. EU-Sanktionen und der Russland-Ukraine-Krieg: Strategien und Auswirkungen
  3. Der Rettungsplan der EU: Fragmentierte Unterstützung und die Koalition der Willigen
  4. Marginalisierung der EU: Trumps Diplomatie und das strategische Versagen der EU
  5. Die existenzielle Krise der EU: Ein selbstverschuldeter Niedergang
  6. Die Einheit, die Fragmentierung und die Zukunft der EU im russisch-ukrainischen Krieg
Verdienstorden des Landes Thüringen verliehen von Ministerpräsident Mario Voigt an Peter Arlt, MLS (Quelle Thüringer Staatskanzlei, Foto ©Thomas Abé)
10. Juli 2026

Verdienstorden des Freistaats Thüringen für unser Mitglied Prof. Dr. Peter Arlt

Hans-Christoph Hobohm Ehrungen Arlt.P

Die Laudatio des Ministerpräsidenten des Freistaats Thüringen Mario Voigt:

„Seit vielen Jahrzehnten prägt Prof. Dr. Peter Arlt das kulturelle Leben Thüringens auf besondere Weise – als Kunstwissenschaftler, Publizist, Hochschullehrer, Schriftsteller und engagierter Begleiter zahlreicher Künstler. Schon während seines Studiums engagierte er sich in literarischen Zirkeln und Autorenvereinigungen und entwickelte jene wissenschaftliche und künstlerische Neugier, die sein weiteres Wirken prägen sollte. Auch später brachte er sich in bedeutende Künstler-, Wissenschafts- und Kulturvereinigungen ein und wurde zu einer festen und hochgeschätzten Persönlichkeit der Thüringer Kunst- und Kulturlandschaft.

Seine wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen zur Kunstgeschichte und Kunsttheorie haben weit über Thüringen hinaus Beachtung gefunden. Insbesondere seine Veröffentlichungen zur bildenden Kunst der DDR und zur Methodik der Kunstwissenschaft in der DDR haben Generationen von Schülern und Studierenden geprägt und einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Kunstentwicklung in Ostdeutschland geleistet. Dabei zeichnete ihn stets eines besonders aus: die Fähigkeit, immer einen offenen Horizont innerhalb der Kunst- und Kulturpolitik zu bewahren.

Professor Arlt blieb Thüringen stets eng verbunden. Besondere Verdienste erwarb er sich auch als Hochschullehrer an der Universität Erfurt. Viele seiner Studierenden erinnern sich an einen Professor, der Wissen nicht nur vermittelte, sondern Begeisterung weckte. Der Kunst nicht als Gegenstand verstand, sondern als Einladung zum Nachdenken, zum Entdecken und zum Gespräch. Darüber hinaus hat er als Kurator, Autor zahlreicher Ausstellungskataloge und Monografien sowie als Lyriker und Schriftsteller künstlerische Lebenswege dokumentiert und kulturelle Zeugnisse für kommende Generationen bewahrt.

Mit seinem publizistischen, wissenschaftlichen und kulturellen Lebenswerk hat sich Professor Arlt in herausragender Weise um Kunst und Kultur in Thüringen verdient gemacht.
Für diese außergewöhnlichen Verdienste verleihe ich Prof. Dr. Peter Arlt den Verdienstorden des Freistaats Thüringen.“

Die Leibniz-Sozietät gratuliert herzlich zum Thüringer Verdienstorden, mit dem Ihre Leistungen sehr verdientermaßen gewürdigt werden.

2026-07-02 Leibniz-Tag (6)
8. Juli 2026

Bericht über den Leibniz‑Tag 2026

Hans-Christoph Hobohm Leibniz-Tag

Der Leibniz‑Tag 2026 führte am 2. Juli 2026 Mitglieder, Gäste und Freundinnen und Freunde der Leibniz‑Sozietät erneut in der Rosa‑Luxemburg‑Stiftung zusammen. Die Veranstaltung wurde im hybriden Format durchgeführt, sodass zahlreiche Teilnehmende online zugeschaltet waren.

Musikalische Einführung: Schostakowitsch als Resonanzraum (Präsentationsfolie dazu)

Den Auftakt gestaltete die Schostakowitsch‑Musikschule Berlin‑Lichtenberg mit einer eindrucksvollen Interpretation der Sonate für Violoncello und Klavier op. 40 von Dmitri Schostakowitsch. Die Präsidentin würdigte die Darbietung als musikalischen Rahmen, der die historische Sensibilität des Tages spiegelte: „Sie haben uns mit Ihrer Darbietung nicht nur ein bedeutendes Werk der musikalischen Moderne nahegebracht, sondern zugleich den Raum geöffnet für einen Tag, der dem Austausch, der Reflexion und der Suche nach neuen Verknüpfungen gewidmet ist.“ Die Sonate, entstanden in einer politisch und biographisch sensiblen Phase, markiert die Schwelle zwischen künstlerischer Freiheit und ideologischer Kontrolle.

Begrüßung durch die Präsidentin

Prof. Dr. Gerda Haßler begrüßte die Anwesenden im Saal und die online Zugeschalteten. Sie erinnerte daran, dass der Leibniz‑Tag traditionell ein Tag der Bilanz und der Neuorientierung ist – ein Tag, der die historische Tiefe der Sozietät mit ihrer zukünftigen Aufgabe verbindet.

Nekrologe (Präsentationsfolien dazu)

In einem würdigen Rahmen wurde der verstorbenen Mitglieder gedacht, deren wissenschaftliches Wirken die Sozietät über viele Jahre geprägt hat. Vizepräsidenten Prof. Dr. Dorothee Röseberg verlas die Nekrologe für die seit dem letzten Leibniz-Tag verstorbenen Mitglieder Prof. Dr. Klaus Junge, Prof. Dr. Erich Hahn, Prof. Dr. Klaus Mylius, Prof. Dr. Peter Betthausen, Prof. Dr. Malcolm Sylvers, Prof. Dr. Dietrich Balzer, Prof. Dr. Wolfdietrich Hartung, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Herbert W. Roesky, Prof. Dr. Armin Uhlmann, Prof. Dr. Hans-Otto Dill. Die Erinnerung an ihre Beiträge ist Teil des kollektiven Gedächtnisses der Sozietät.

Bericht der Präsidentin (Präsentationsfolien dazu)

Der Jahresbericht der Präsidentin bildete den inhaltlichen Schwerpunkt des Vormittags. Er stand unter dem Leitmotiv:

„Die Leibniz‑Sozietät – ein Forum historisch informierter Wissenschaftsreflexion.“

Prof. Haßler spannte einen weiten Bogen über die Aktivitäten des vergangenen Jahres und betonte die Verbindung von historischer Tiefenschärfe und Zukunftsorientierung als Markenzeichen der Sozietät.

Der 2. Juli ist ein Datum mit besonderer Bedeutung in der Geschichte der europäischen Akademiebewegung. Die Präsidentin erinnerte unter anderem an den Geburtstag Gottfried Wilhelm Leibniz’ am 1. Juli 1646, die Unterzeichnung der Gründungsurkunde der Berliner Sozietät der Wissenschaften am 11. Juli 1700, die Wiedereröffnung der Akademie der Wissenschaften zu Berlin im Jahr 1946. Diese historischen Linien verdeutlichen, dass die Akademiebewegung nie Selbstzweck war, sondern aus dem Bedürfnis entstand, Wissen zu ordnen, zu prüfen, zu teilen und in den Dienst der Öffentlichkeit zu stellen.

Die Präsidentin berichtete über zehn Plenarsitzungen seit dem letzten Leibniz‑Tag, die ein breites Spektrum wissenschaftlicher Kulturen und gesellschaftlicher Herausforderungen sichtbar machten – von geschichtspolitischen Deutungsfragen über naturwissenschaftliche Paradigmenwechsel und technologische Transformationsprozesse bis hin zu ökologischen Zukunftsthemen und rechtshistorischen Perspektiven.

Die Sitzungen der beiden Klassen zeigten:

  • eine starke Orientierung auf technologische und digitale Transformationsprozesse,
  • eine kontinuierliche Reflexion über die historische Bedingtheit wissenschaftlicher Erkenntnis,
  • eine zunehmende Aufmerksamkeit für globale ökologische und kulturelle Herausforderungen.

Die Präsidentin hob die intensive Arbeit der Arbeitskreise hervor, darunter der Arbeitskreis Gesellschaftsanalyse, der Arbeitskreis Wissenschaftsgeschichte, der Arbeitskreis GeoMUWA, der Arbeitskreis Vormärz und 1848er Revolutionsforschung.

Diese Arbeitskreise verbinden historische Forschung, technologische Expertise und gesellschaftliche Verantwortung und prägen das Profil der Sozietät maßgeblich.

Die Publikationstätigkeit der Sozietät blieb trotz des Verzichts auf Druckfassungen hoch. Besonders hervorgehoben wurde:

  • die Einführung eines vollständigen Peer‑Review‑Verfahrens,
  • die Sichtbarkeit der Publikationen durch DOI‑Vergabe und Eintragung in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek,
  • die erfolgreiche Publikation der Beiträge zur Jahrestagung 2025 im Springer‑Verlag.

Die Präsidentin berichtete über gewachsene Kooperationen, u. a. mit der Berliner Medizinischen Gesellschaft, dem Leibniz‑Gymnasium Berlin, der Peter‑Sodann‑Bibliothek, dem Institut de Recherche pluridisciplinaire en arts, lettres et langues der Université Jean Jaurès Toulouse. Diese Kooperationen stärken die gesellschaftliche Sichtbarkeit und die wissenschaftliche Vernetzung der Sozietät.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Bedeutung der Zuwahl neuer Mitglieder. Die Präsidentin betonte: „Eine lebendige Sozietät entsteht dort, wo Mitglieder als Wissenschaftler ernst genommen werden – als Gestaltende, nicht nur als Beitragszahler.“

Das thematisch Verbindende der vielfältigen Aktivitäten der Leibniz‑Sozietät ist das Selbstverständnis als Forum historisch informierter Wissenschaftsreflexion. Dieses Verständnis knüpft an die lange Tradition der Berliner Gelehrtengesellschaft an, deren Mitglieder seit dem 18. Jahrhundert Wissenschaft nicht nur betrieben, sondern ihre historischen Bedingungen, gesellschaftlichen Rollen und normativen Grundlagen reflektiert haben. Die Sozietät verbindet seit ihrer Gründung 1993 historische Reflexion mit einem interdisziplinären Spektrum, das Natur‑, Sozial‑, Geistes‑ und Technikwissenschaften umfasst.

Aus dieser Tradition heraus kann die Sozietät aktuelle Herausforderungen besonders gut einordnen: die wachsenden Angriffe auf wissenschaftliche Autorität, die Politisierung wissenschaftlicher Streitfragen und die epistemischen Spannungen demokratischer Wissensgesellschaften. Historisch informierte Reflexion macht sichtbar, dass wissenschaftliche Rationalität nie selbstverständlich war und dass gegenwärtige Konflikte Teil einer langen Entwicklungslinie sind.

Die Sozietät ist prädestiniert für eine integrative Wissenschaftsreflexion, die disziplinäre Perspektiven zusammenführt und konzeptionelle Interaktion ermöglicht. Sie versteht wissenschaftliche Rationalität und gesellschaftliche Verantwortung als Einheit und leistet damit einen Beitrag zur Stärkung demokratischer Wissensordnungen.

Ein zentrales Zukunftsthema ist die künstliche Intelligenz, deren transformative Kraft die Sozietät bereits in Arbeitskreisen und in der kommenden Jahrestagung aufgreift. KI erweitert die epistemischen Werkzeuge der Forschung, birgt aber zugleich Risiken für demokratische Wissenskulturen und die Struktur gesellschaftlicher Produktivkräfte. Eine historisch informierte Wissenschaftsreflexion kann diese Ambivalenzen sichtbar machen und Orientierung bieten.

Insgesamt zeigt sich: Ein Forum historisch informierter Wissenschaftsreflexion ist keine neue Erfindung, sondern die konsequente Weiterführung dessen, was die Leibniz‑Sozietät seit Jahrzehnten auszeichnet – die Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz, historischer Tiefenschärfe und gesellschaftlicher Verantwortung. Die Präsidentin lud alle Mitglieder dazu ein, an diesem Ziel, die Leibniz-Sozietät zu einem Forum historisch informierter Wissenschaftsreflexion zu entwickeln, mitzuwirken.

Vorstellung der neuen Mitglieder (Präsentationsfolien dazu)

Im Anschluss an den Bericht wurden die neu zugewählten Mitglieder vorgestellt. Zehn neue Mitglieder wurden zugewählt: Sascha Feuchert, Sebastian Hasenstab-Riedel, Hauke Hußmann, Peter Jordan, Rainer Karlsch, Jochen Kolb, Andreas Kugi, Sylvie Paycha, Kohei Saito, Berthold Unfried. Ihre Fachgebiete reichen von Holocaustliteratur über Halogenchemie, Planetengeodäsie, politische Geographie, Wirtschaftsgeschichte, Geochemie, Systemtheorie, Mathematik und Philosophie bis hin zur Globalgeschichte. Die Vielfalt ihrer Expertise stärkt die interdisziplinäre Ausrichtung der Sozietät.

Die Mittagspause  bot Gelegenheit zu Gesprächen und Begegnungen im Saal, in der Umgebung und im digitalen Raum.

Verleihung der Auszeichnungen (Präsentationsfolien dazu)

Samuel‑Mitja‑Rapoport‑Kooperationspreis

Samuel Mitja Rapoport Kooperationspreis ging 2026 an das Leibniz Gymnasium Berlin

Der Samuel‑Mitja‑Rapoport‑Kooperationspreis ging 2026 an das Leibniz‑Gymnasium Berlin, vertreten durch die Schulleiterin Renate Krollpfeiffer‑Kuhring. Die Kooperation zwischen Schule und Sozietät besteht seit fast zehn Jahren und wurde 2017 offiziell vereinbart. Sie ist nicht nur Ausdruck eines beiderseitigen Interesses, sondern besitzt auch wissenschafts‑ und bildungspolitische Bedeutung.

Zu den etablierten Formaten gehören die Vergabe des Jugendforscherpreises, musikalische Beiträge des Gymnasiums bei Veranstaltungen der Sozietät, fachliche Unterstützung in den MINT‑Fächern sowie gemeinsame Aktivitäten im Rahmen berufsvorbereitender und interkultureller Programme. Besonders hervorzuheben ist die zweitägige Tagung „Menschen im Weltraum“ im Jahr 2018 mit Dr. Sigmund Jähn, die eindrucksvoll zeigte, wie fruchtbar die Begegnung von Schule und Wissenschaft sein kann.

Auch 2025 präsentierte die Sozietät ihre Kooperation im Rahmen der 175‑Jahr‑Feier des Gymnasiums vor Vertreterinnen und Vertretern des Berliner Senats. Ein wesentlicher Bestandteil der Zusammenarbeit ist der kontinuierliche Austausch zwischen Sozietät und Schulleitung, der aktuelle Bedarfe und gemeinsame Perspektiven sichtbar macht.

Mit dieser langjährigen, lebendigen und vielfältigen Kooperation erfüllt das Leibniz‑Gymnasium in besonderer Weise die Zielsetzung des Kooperationspreises: die Förderung des inter‑ und transdisziplinären Dialogs sowie die Verbindung von Wissenschaft und Gesellschaft.

Daniel‑Ernst‑Jablonski‑Medaille

Präsidentin und Vizepräsidentin überreichen Gerhard Pfaff die Jablonski Medaille

Die Daniel‑Ernst‑Jablonski‑Medaille wurde in diesem Jahr an Prof. Dr. rer. nat. habil. Gerhard Pfaff verliehen. Pfaff verbindet in seinem wissenschaftlichen Profil Grundlagenforschung in der anorganischen Festkörperchemie mit langjähriger Lehr‑ und Forschungserfahrung sowie einer ausgeprägten industriellen Innovationspraxis. Nach seiner Tätigkeit an der Friedrich‑Schiller‑Universität Jena wechselte er 1991 zu Merck, wo er in leitender Funktion in der Pigmentforschung und Produktentwicklung wirkte und zugleich seine akademische Laufbahn an der TU Darmstadt fortsetzte.

Gerhard Pfaffs wissenschaftliche Bilanz umfasst zahlreiche Publikationen und eine große Zahl von Patenten – eine seltene Kombination aus wissenschaftlicher Tiefe, technologischer Umsetzungskraft und nachhaltiger Praxisrelevanz. Seit seinem Eintritt in die Leibniz‑Sozietät 2018 hat er früh institutionelle Verantwortung übernommen und prägt seit 2019 als Sekretar der Klasse für Natur‑ und Technikwissenschaften die Arbeit der Sozietät in besonderer Weise.

Sein Engagement zeigt sich zudem in der Mitwirkung an Veranstaltungen, Herausgeberschaften und thematischen Initiativen. Gerhard Pfaff steht damit exemplarisch für jene Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz, interdisziplinärer Offenheit und institutioneller Verantwortung, die das Selbstverständnis der Leibniz‑Sozietät prägt.

Festvortrag (Präsentationsfolie dazu)

Ein Höhepunkt des Leibniz‑Tages war der Festvortrag zum Thema Der Ukraine-Krieg und die neue Welt(un)ordnungvon Prof. Dr. Peter Brandt, einem Historiker, der seit Jahrzehnten die wissenschaftliche und öffentliche Diskussion über Demokratie, Europa und internationale Politik prägt. Brandt gehört zu den Stimmen, die historische Analyse und politisches Urteil mit besonderer Klarheit verbinden – eine Verbindung, die dem Selbstverständnis der Leibniz‑Sozietät in besonderer Weise entspricht.

Prof. Dr. Peter Brandt bei seinem Festvortrag auf dem Leibniz-Tag 2026

Als emeritierter Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der FernUniversität in Hagen hat er ein umfangreiches Werk vorgelegt, das von grundlegenden Studien zur europäischen Revolutionsgeschichte über Arbeiten zur Entwicklung demokratischer Ordnungen bis hin zu Analysen der deutschen und europäischen Zeitgeschichte reicht. Besonders hervorzuheben sind seine Beiträge zur Geschichte politischer Ideen, zur Transformation politischer Systeme und zur historischen Genese europäischer Staatlichkeit. Mit Monographien, Sammelbänden und zahlreichen Essays zeigt Brandt immer wieder, wie historische Forschung zur Orientierung in gegenwärtigen Krisen beitragen kann – eine analytische Präzision, die ihn im historischen Fach als politisch wachen und intellektuell unabhängigen Historiker auszeichnet.

In den aktuellen Debatten über Europa, Sicherheitspolitik und internationale Ordnung ist Brandt eine gefragte Stimme. Er beteiligt sich regelmäßig an öffentlichen Diskussionen, schreibt für wissenschaftliche und publizistische Medien und bringt historische Perspektiven in politische Streitfragen ein. Gerade im Kontext des Ukraine‑Krieges betont er die Notwendigkeit, gegenwärtige Ereignisse nicht nur geopolitisch, sondern im Licht langfristiger historischer Entwicklungen zu betrachten: der Krise multilateraler Strukturen, der Rückkehr imperialer Politikmuster, der Verschiebung globaler Machtverhältnisse und der Herausforderungen für demokratische Gesellschaften. Damit trägt er wesentlich dazu bei, die Komplexität der entstehenden Welt(un)ordnung verständlich zu machen.

Seine wissenschaftliche Haltung verbindet präzise Quellenarbeit mit einem ausgeprägten Sinn für strukturelle Zusammenhänge, der Bereitschaft, historische Erkenntnisse in gesellschaftliche Debatten einzubringen, und dem Anspruch, Geschichte als Instrument der Aufklärung zu verstehen. Diese Perspektive knüpft unmittelbar an die Tradition der Leibniz‑Sozietät an, die Wissenschaft als Beitrag zur Orientierung in einer komplexen Welt begreift.

Der Festvortrag eröffnete daher nicht nur neue Einsichten, sondern auch neue Horizonte: Er machte die historische Dimension des Ukraine‑Krieges sichtbar und beleuchtete die Frage nach der neuen Welt(un)ordnung mit analytischer Klarheit – ein Beitrag, der den Charakter des Leibniz‑Tages in besonderer Weise prägte.

Abschluss

Zum Ausklang des Tages lud die Sozietät zu einem Umtrunk ein. Die Präsidentin dankte allen Beteiligten für die Vorbereitung und Durchführung des Leibniz‑Tages und schloss mit einem optimistischen Ausblick auf die kommenden Aufgaben.

Der Bericht der Präsidentin und der Festvortrag werden im nächsten Heft von Leibniz Online veröffentlicht.

Fotografische Impressionen (variable Sortierung, versch. Fotografen):

Prof. Dr. Jochen Kolb, neues Mitglied
Neues Mitglied Prof. Dr. Andreas Kugi
Dankesrede von Dr. Peter Jordan
Präsidentin und Vizepräsidentin überreichen Gerhard Pfaff die Jablonski Medaille
Gerhard Pfaff nimmt die Jablonski-Medaille in Empfang
Neues Mitglied Dr. Berthold Unfried
Ehrenmitgliedschaft für Prof. Dr. Michael Succow
Neues Mitglied Dr. Rainer Karlsch
Neues Mitglied Dr. Hauke Hußmann
Das Auditorium des Leibniz-Tages vor Ort in der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Dankesrede von Gerhard Pfaff
Prof. Dr. Peter Brandt bei seinem Festvortrag auf dem Leibniz-Tag 2026
Prof. Dr. Sylvie Paycha, MLS
Dankesrede von Prof. Kohei Saito via Videobotschaft
Festvortrag von Peter Brandt
Neuaufnahme von Prof. Dr. Sascha Feuchert
Neues Mitglied Prof. Dr. Sebastian Hasenstab-Riedel
Samuel Mitja Rapoport Kooperationspreis ging 2026 an das Leibniz Gymnasium Berlin
Ein Duo spielt klassische Musik zur Einführung (KI generiert von Vibe von Mistral)
27. Juni 2026

Einladung zum Leibniz-Tag

Hans-Christoph Hobohm Leibniz-Tag

Der Leibniz-Tag findet am 2. Juli 2026 statt

in der Rosa-Luxemburg-Stiftung Straße der Pariser Kommune 8A 10243 Berlin

Die Veranstaltung findet im hybriden Format statt. Die Zugangsdaten entnehmen Sie bitte dem Rundbrief an die Mitglieder oder erfragen sie per E-Mail an g.hassler@leibnizsozietaet.de

Programm

Beginn 10 Uhr

Musikalische Einführung
Schostakowitsch-Musikschule Berlin-Lichtenberg
Nekrologe
Bericht der Präsidentin
Prof. Dr. phil. habil. Gerda Haßler
Urkundenübergabe und Vorstellung der neuen Mitglieder

Mittagspause
12.30 Uhr – 14.00 Uhr

Verleihung der Jablonski-Medaille
Verleihung des Samuel-Mitja-Rapoport
Kooperationspreises
Festvortrag
Der Ukraine-Krieg und die neue Welt(un)ordnung
Prof. Dr. Peter Brandt (FernUniversität in Hagen)

24. Juni 2026

INTERNETZEITSCHRIFT Leibniz Online, Nr. 60 (2026)

Nina Hager Leibniz Online Baumgarten.W, Bernhardt.K-H, Dethloff.K, Djurović.A, Ebeling.W, Frisch.N, Hager.N, Hellmuth.O, Pfaff.G, Segert.D, Spänkuch.D, Wessling.B

nd lernen#
d lernen#

Jahrgang 2026 ● Nummer 60

DOI: 10.53201/LEIBNIZONLINE60

nd lernen#

Werner Ebeling: Klima, Entropie und Gestaltung unserer Zukunft

Bernhard Weßling: Eine erste naturwissenschaftliche Theorie der Nachhaltigkeit: Entropie als Kriterium für Nachhaltigkeit

Dieter Segert: Peter Rubens Sozialismusbegriff und seine historische Einordnung

Wilfried Baumgarten: Entheroisierung der Helden – Altnordische Philologie in der DDR. Wurzeln, Kontext und Vermächtnis

Annette Djurovic: Konferenzdolmetschen lehren und lernen

nd lernen

Klassensitzung NWTW zu Ehren von Karl-Heinz Bernhardt und Dietrich Spänkuch am 12. Februar 2026

Gerhard Pfaff: Eröffnung

Nina Hager: Laudatio für Karl-Heinz Bernhardt

Karl-Heinz Bernhardt: Dankesworte

Olaf Hellmuth: Laudatio für Dietrich Spänkuch

Dietrich Spänkuch: Dankesworte und ein etwas kritischer Blick zurück

Klaus Dethloff: Ursachen und Unsicherheiten des Klimawandels – Die letzten 90 Jahre

Nico Frisch: Fiscal Discipline, Public Debt, and Productive Capacity: A Response to Kahn (2000)

Link zu Nr. 60

18. Juni 2026

Die Nummer 7 der Zeitschrift SYMPOSIUM CULTURE@KULTUR ist erschienen

Hans-Christoph Hobohm SYMPOSIUM CULTURE@Kultur Knopper.F, Röseberg.D

Unter dem Titel „Was von der DDR bleibt: eine ostdeutsche Bibliothek in Nantes“ haben sich die Germanistinnen Ruth Lambertz-Pollan und Bénédicte Terrisse von der Université Nantes auf die Spuren der Geschichte einer DDR- Bibliothek ihrer Universität gemacht. Dieser Bestand war zwar institutionell bewahrt, blieb jedoch über Jahrzehnte hinweg weder katalogisiert noch systematisch befragt und entzieht sich damit weitgehend den etablierten Formen des kulturellen Gedächtnisses.

Das Interesse der jungen Germanistinnen gilt den Herkunftsorten und Zirkulationsprozessen dieser Bücher wie auch den Büchern selbst, die weitere Wissenschaftlerinnen zu originellen Recherchen eingeladen haben. (Inhaltsverzeichnis s.u.)

Zusammengehalten werden diese unterschiedlichen Texte durch einen einleitenden Beitrag der Herausgeberinnen dieses Dossiers unter dem Titel Dialektik des Restes: eine lexikalische und theoretische Reise aus deutsch-französischer Sicht. Sie belegen darin, wie sehr der Begriff „Rest” Debatten über den Umgang mit der Vergangenheit prägt, die in Form verlassener Objekte sehr konkret in der Gegenwart fortbesteht.

Die Herausgeberinnen der Zeitschrift haben dieses Dossier sehr begrüßt, weil sie die Fragen der kulturellen Patrimonialisierung und der Bedingungen von Überlieferung, Vergessen und Wiederentdeckung kultureller Artefakte für essentiell halten.

Die gesamte Nummer ist hier nachzulesen: https://reference-global.com/issue/SCK/7/1

Dorothee Röseberg

 


Inhaltsverzeichnis

Editorial
Françoise Knopper,  Dorothee Röseberg,  Marie-Therese Mäder,  Caroline Moine,  Ruth Lambertz-Pollan, Bénédicte Terrisse

« Verschütten und Wiederfinden ». Dialectiques du reste : un voyage lexical et théorique franco-allemand.
Ruth Lambertz-Pollan, Bénédicte Terrisse

À la recherche d’une bibliothèque disparue. La collection littéraire ENT d’Aufbau.
Danielle Risterucci-Roudnicky

Sur les traces des émotions : images et discours des ouvrages d’histoire de l’art de la RDA.
Mathilde Arnoux

La part de l’image. Les histoires illustrées des villes de la RDA (1978-88), de la propagande à l’imaginaire social.
Marie-Madeleine Ozdoba

Der „richtige“ und der „falsche“ Antifaschismus. Erbe und Vermittlung eines komplexen Zusammenhangs.
Marie Müller-Zetzsche

Circulations transnationales du théâtre pour I’enfance et la jeunesse durant la guerre froide : genèse et contexte de I’ouvrage Kinder- und Jugendtheater der Welt du Centre national RDA de l’ASSITEJ.
Florence Baillet

Zur Neubewertung des literarischen Kanons der DDR am Beispiel des Werks von Hedda Zinner.
Carola Hähnel-Mesnard

 

1 2 3 4 5 >»

Suche

Anstehende Veranstaltungen

Sep. 10
10:00 - 15:00

Ehrenkolloquium zum 80. Geburtstag von Gerhard Banse

Okt. 8
10:00 - 12:00

Klassensitzung Klasse Naturwissenschaften und Technikwissenschaften

Okt. 8
13:00 - 15:00

Plenum

Okt. 8
15:30 - 17:15

Klassensitzung Klasse Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften

Nov. 9
10:00 - 17:00

Gedenkkolloquium für Hans-Otto Dill

Kalender anzeigen

Kategorien

Archiv

Empfohlene Links

  • GSIS The Institute for a Global Sustainable Information Society
  • Leibniz Gymnasium Berlin
  • Leibniz-Gemeinschaft
  • Leibniz-Sozietät auf Wikipedia
  • Peter-Sodann-Bibliothek
  • trafo Verlagsgruppe Dr. Wolfgang Weist

Für Administratoren

  • Anmelden

↑

  • Kontakt
  • Datenschutzerklärung
  • Impressum
  • Cookie Erklärung
© Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. 2026